Bindungsstil


Auch: Bindungstyp


Bindungsstile wurden von John Bowlby auch Arbeitsmodelle der Bindung (working models) genannt. Diese Modelle bestimmen in erster Linie inwieweit wir anderen Menschen vertrauen können und wie viel Anrecht auf Fürsorge und Liebe wir uns zutrauen. Diese Modelle sind von Emotionen durchdrungen und aktivieren eine „gefühlte Wahrnehmung“ (Felt Sense), die unseren Beobachtungen, Bedeutungsgebungen und Verhalten eine Richtung geben. Gesunde Arbeitsmodelle von uns Selbst und von anderen passen sich ständig durch neue Erfahrungen an. Jeder von uns ist durch seine eigene Bindungsgeschichte an einem bestimmten Punkt auf dem Kontinuum zwischen ängstlicher oder vermeidender Orientierung angekommen. Oft kreieren wir aus unserem Bindungsstil heraus Interaktionsmuster mit Eltern, Kindern und Geliebten, die wieder unseren Bindungsstil bestätigen. Oft tendieren dadurch unsere Arbeitsmodelle der Bindung zu einem der folgenden Bindungsstile: sicher, unsicher vermeidend, unsicher ambivalent oder desorganisiert.


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Sicherer Bindungsstil

Wir haben in der Regel dann einen sicheren Bindungsstil entwickelt, wenn unsere Eltern oder Versorger in unseren ersten zwei Lebensjahren für uns da sind, eingestimmt und einfühlsam auf uns reagieren.  Die Beziehung mit unseren Eltern fühlt sich dann wie ein sicherer und wärmender Rückzugsort an, eine sichere Oase. Wir leben in dem gefühlten Wissen, dass jemand für uns da ist, wenn wir ihn brauchen.

Später, als Erwachsene, sind wir mit einem sicheren Bindungsstil nicht so schnell durcheinander, wenn unsere Partner oder Partnerin mal nicht da ist oder nicht so reagiert, wie wir erwarten. Auch, wenn wir uns eine Zeit nicht gesehen haben, ist es einfach, wieder in Kontakt zu treten und einander nah zu sein. 

Prozent aller Kinder:


Wenn unsere Eltern oder Versorger in unseren ersten zwei Lebensjahren öfter nicht da sind, nicht eingestimmt oder nicht einfühlsam auf uns reagieren, erfahren wir Unsicherheit.


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Unsicher ambivalenter Bindungsstil

Wir spüren als Kind, wie sehr wir unsere Eltern brauchen, gleichzeitig fühlen wir uns unsicher über die Beziehung, denn mal ist Mama (oder Papa) da und emotional ansprechbar, aber manchmal auch nicht, und das ist beängstigend. Manchmal versuchen wir dann Aufmerksamkeit zu bekommen, wir klammern, und manchmal sind wir wütend.

Später als Erwachsene machen uns Momente von Trennung oder gefühlte Distanz wirklich zu schaffen. Wir suchen Nähe, aber es macht uns gleichzeitig Angst, uns bei unserem geliebten Menschen verletzlich zu zeigen. Uns gefällt Trostsex am besten. Im negativen Muster fühlen wir uns öfter unwichtig und nicht liebenswert. Wir befürchten, dass unsere Sicherheitsbedürfnisse nicht ausreichend erfüllt werden. Dies motiviert uns, hyperaktivierende Strategien anzuwenden, wir versuchen die emotionale Temperatur hochzudrehen und damit die Nähe zu und die Unterstützung unserer Bezugspersonen zu erreichen. Wenn wir spüren, dass wir von ihm / ihr nicht wahrgenommen werden, macht uns das verzweifelt und wütend.

Prozent aller Kinder:


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Unsicher vermeidender Bindungsstil

Wir haben als Kind lernen müssen, allein klarzukommen.  Mama (oder Papa) waren vielleicht oft nicht da, oder wenn nur physisch und nicht emotional. Daher zeigen wir unsere Gefühle nur wenig, oder spüren sie sogar selbst kaum noch.  Wenn unsere Eltern weggehen und wieder zurückkommen, lässt uns das scheinbar ziemlich unberührt. Wir schützen uns, indem wir nicht fühlen, was uns schmerzt oder beängstigt.

Als Erwachsene fokussieren wir dann meist auf das, was zu erledigen ist. Durch Freunde und Kollegen werden wir manchmal für unsere Unabhängigkeit gelobt - oder auch bedauert. Wir scheinen nicht leicht die Fassung zu verlieren. Streit fühlt sich für uns schlimm an, daher vermeiden wir diesen. Wir neigen zu Emotionslosem Sex. Wir sind besorgt über die Wahrung einer ausreichenden Unabhängigkeit und Autonomie in unseren Beziehungen. Dies motiviert uns, hypoaktivierende Strategien anzuwenden, wir versuchen der emotionalen Temperatur runterzudrehen z. B. beschwichtigen, die Notwendigkeit von Unterstützung und Intimität zu leugnen, insbesondere in Stresssituationen. Im negativen Muster fühlen wir uns öfter wie jemand, der nie gut genug ist und nichts richtig machen kann, obwohl wir uns doch so bemühen. Momente von Trennung oder Distanz fallen uns leicht. Manchmal machen wir uns Gedanken, ob wir unsere Geliebte wirklich glücklich machen können.

Prozent aller Kinder:


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Desorganisierter Bindungsstil

Als Kind spüren wir, dass wir unsere Eltern brauchen, gleichzeitig  macht ihr Verhalten uns Angst. Unsere Quelle von Trost stellt im nächsten Moment eine Gefahr da. Wir verhalten uns unvorhersehbar: wir bewegen uns auf unsere Eltern zu, erstarren plötzlich, laufen wieder weg oder drehen uns im Kreis. Bei bindungstraumatischen Erlebnissen entwickeln Kinder oft diesen Bindungsstil.

Als Erwachsene sind wir in Beziehung oft desorganisiert. Wir können alle Verhaltensweise der unsicheren Bindungsstile zeigen, von großer Nähe bis hin zu Abschalten aller Gefühle. Oft haben wir starke Selbstzweifel, ob wir als Mensch überhaupt liebenswert sind, und wir fühlen uns isoliert.

Prozent aller Kinder:


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